Wir freuen uns auf dich

In jedem Land gibt es Bewohner, die sich über angereiste Touristen freuen. Ich meine allerdings nicht Andenkenhändler, Wechselstubenbesitzer, Hotel- und Restaurantangestellte und sicher nicht die Grenzbeamten – Gemeint sind vielmehr Insekten und anderes Kleingetier, das nur darauf wartet, dass ein ahnungsloser Reisender vorbeikommt. Sie alle wollen nur dein Bestes: dein Blut!

Eine Warnung: Der folgende Text ist nichts für Leser mit schwachen Nerven.

Nach Reisen in mehr als 80 Ländern und jetzt seit vielen Monaten unterwegs bilde ich mir ein, mich mit blutsaugendem Getier recht gut auszukennen. Und wie ich leidvoll feststellen musste, gehöre ich offenbar zu den besonders beliebten Zielen dieser Kreaturen. Hier hat meine Tierliebe eindeutig ihre Grenzen!

 

Stechmücken (Moskitos)

Egal, wo man hinkommt – die Mücken sind meistens schon da. Es gibt unzählige Tipps, um Mückenstiche zu vermeiden, aber hundertprozentig funktioniert davon nichts. Besonders nach ein oder zwei Wochen lässt die Aufmerksamkeit nach, und das merkt man sofort an den neuen juckenden Stellen, die plötzlich überall auftauchen.

Zumindest sind wir seit unserer ersten Reise mit einem feinmaschigen Moskitonetz unterwegs. Das hat uns zumindest im Bett viele ruhige Stunden beschert – vor allem vor den Exemplaren, die nicht nur stechen, sondern dabei auch noch direkt am Ohr summen. Ansonsten helfen lange Ärmel und Hosen gut, wenn man sich nicht ständig mit chemischer Giftbrühe einreiben möchte. Die „natürlichen“ Mittel funktionieren leider nicht so gut.

Natürlich können Mücken in den Tropen Krankheiten übertragen. Bis jetzt hatten wir allerdings Glück – oder zumindest nichts bemerkt. Die Gefahr ist also nicht dramatisch hoch. Wirklich ekelhaft sind Mücken eigentlich nicht, aber durch ihre schiere Verbreitung und ihr penetrantes Gesumme gehören sie trotzdem zu den nervigsten Reisebegleitern.

Sandfliegen (Gnitzen, No-see-ums, Kriebelmücken, Midges, und so weiter)

Sandfliegen sind fast so zahlreich wie Mücken, werden aber deutlich weniger wahrgenommen – hauptsächlich deshalb, weil sie winzig sind. Oft sind sie kleiner als eine Fruchtfliege und damit praktisch unsichtbar. Ihre Anwesenheit bemerkt man meist erst dann, wenn sich plötzlich juckende Bläschen bilden, die man möglichst nicht aufkratzen sollte. Es ist schon erstaunlich, wie ein Tierchen, das man kaum erkennen kann, sich trotzdem erfolgreich durch die Haut beißt oder schabt – denn einen klassischen Stechrüssel haben viele Arten gar nicht.

In gewisser Weise sind Sandfliegen noch penetranter als Mücken. Die Stiche bilden oft kleine Bläschen, die leicht aufzukratzen sind. Oft kommen Sandfliegen in ganzen Schwärmen. So kann man innerhalb weniger Minuten problemlos seine persönliche Jahresration an Stichen kassieren – insbesondere, weil man anfangs gar nicht merkt, wer da gerade an einem arbeitet. Oft sind Sandfliegen auch den ganzen Tag und Nacht aktiv, anstatt sich wie Mücken hauptsächlich an die Dämmerung zu halten. Man findet sie nicht nur an Sandstränden, sondern generell in der Nähe von Gewässern. Glücklicherweise kommen sie nicht ganz so flächendeckend vor wie Stechmücken. Eklig wirken sie wegen ihrer Winzigkeit eigentlich nicht – nervtötend sind sie trotzdem.

Ganz harmlos sind ihre Bisse leider ebenfalls nicht. Neben entzündeten Stichstellen können Sandfliegen auch Krankheiten übertragen, zum Beispiel Leishmaniose. In manchen Gegenden ist die Krankheit so verbreitet, dass sie dort scherzhaft auf Grund der verbleibenden Narben (meist an den Beinen) als „Karibik-Tattoo“ bezeichnet wird.

Bettwanzen

Bettwanzen findet man an so exotischen und unerschlossenen Orten wie Indien, Spanien oder England – also glücklicherweise nicht allzu häufig. Zumindest ist das bis jetzt meine Erfahrung. Die Stiche können ordentlich jucken, und leider bleibt es selten bei einem einzigen. Eine Bettwanze hinterlässt eine entsprechend großzügige Spur an Stichen.

Das eigentliche Problem ist aber weniger der Stich selbst, sondern der enorme Ekel-Faktor. Bettwanzen gehören zu den wenigen Kreaturen, bei denen schon der Gedanke reicht, damit man nachts automatisch jedes Kribbeln auf der Haut interpretiert. Liest man in einer Hotelbewertung, dass dort einmal Bettwanzen gesichtet wurden, ist das Hotel für uns sofort erledigt – selbst wenn der Eintrag zehn Jahre alt ist und inzwischen wahrscheinlich schon mehrfach renoviert wurde.

Denn als Reiseandenken sind diese Viecher nun wirklich völlig ungeeignet.

Zecken

Noch ein besonders widerliches und überflüssiges Insekt. Zecken sind keine Tiere, die man gerne aus der Nähe sieht – eigentlich nicht einmal aus der Ferne. Im Normalfall kommt man auf Reisen nicht damit in Berührung, es sei denn man geht auf eine Dschungeltour oder eine Wanderung durch hohes Gras. Dort stehen die Chancen allerdings gar nicht mal so schlecht. Dazu sind Zecken Krankheitsüberträger und echt ekelhafte Kreaturen, wenn sie sich an einen hängen und sich vollsaugen.

Außerdem habe ich den Eindruck, dass Zecken, allem Insektensterben zum Trotz, eher zahlreicher werden. Deshalb gehört auf Reisen in die Natur inzwischen auch eine Pinzette ins Gepäck. Nach Wanderungen und Naturkontakt heißt es: Kleidung absuchen, duschen, den Körper kontrollieren … um trotzdem später noch irgendwo eine zu finden. Die gute Nachricht: Wird eine Zecke schnell entfernt, sinkt auch das Risiko einer Krankheitsübertragung deutlich. Das macht die Sache zwar nicht sympathischer, aber zumindest etwas beruhigender.

Bremsen (horse flies)

Der englische Begriff erklärt es fast schon: Bremsen findet man oft dort, wo auch Pferde unterwegs sind. Und glücklicherweise sind ca.500 kg schwere Warmblüter für diese Art Insekten attraktiver als der eher magere Mensch, der darauf sitzt. Auch sind sie nicht so weit verbreitet und die Chancen welche zu treffen sind in Brandenburg höher als in den tropischen Ländern, die wir besucht haben. Der Stich ist eher ein brachialer Biss und schmerzt deutlich und sofort. Aber zumindest, wenn man nicht kratzt, ist der Juckreiz schnell wieder vorbei.

Blutegel

Blutegel gibt es in den unterschiedlichsten Größen und Formen. Die meisten Menschen denken dabei vermutlich an träge Würmer in irgendwelchen Sümpfen und Tümpeln. Wenige kennen allerdings die besonders fiesen Landblutegel. Und anders, als man vielleicht erwarten würde, sind diese Viecher erstaunlich schnell. Obwohl sie weder Beine noch Augen haben und von 1 cm bis etwa streichholzgroß sind, bewegen sie sich zielstrebig auf jeden vorbeiwandernden Warmblüter zu. Dabei krümmen sie ihren Körper zusammen und ziehen sich ruckartig vorwärts – eine Art biologischer Mini-Zollstock des Grauens.

Der Erste einer Wandergruppe kommt meist noch relativ unbehelligt durch. Spätestens der Dritte hat dann allerdings verloren, weil inzwischen sämtliche Egel der Umgebung alarmiert wurden und kollektiv Jagd auf alles machen, was Körperwärme produziert. Da hilft nur: Hose in die Schuhe stecken und verschnüren, Salz in die Schnürsenkelösen streuen, damit sie sich nicht hindurchquetschen, und am besten ein kleines Stöckchen dabeihaben, um die Exemplare wegzuschnippen, die bereits entschlossen die Hose hochmarschieren.

Ein Vorteil, der Biss schmerzt nicht, auch wenn man den Egel wie ein Gummiband von der Bissstelle wegzieht. Auch geografisch sind diese Biester glücklicherweise begrenzt – auf die Wälder Südostasiens und Afrikas.

 

Grasmilben (Chiggers)

Glücklicherweise begegnet man ihnen eher selten – aber wenn doch, merkt man es sofort. Ein kurzer Spaziergang mit Flipflops über einen frisch gemähten Rasen in Guyana reichte bei mir völlig aus, und plötzlich brannten die Fußgelenke, als hätte jemand dort heimlich Chili eingerieben. Instinktiv machte ich immerhin das Richtige und kühlte alles sofort mit kaltem Wasser. Trotzdem bleiben schmerzhafte kleine Bläschen zurück, verursacht von Kreaturen, die so winzig sind, dass man sie nicht einmal sieht. Frechheit!

War es das?

Natürlich nicht. Es gibt noch viele weitere Kreaturen, die einem ans Blut wollen: Flöhe, Läuse, Kissing Bugs, Sandflöhe, Stechfliegen und allerlei anderes fliegendes, krabbelndes oder springendes Getier. Falls jemand noch weitere Ergänzungen beisteuern möchte, nehme ich diese gern entgegen 😉. Glücklicherweise kommt man mit den meisten dieser Kandidaten eher selten in Kontakt. Auch andere Tiere können unangenehm werden: Normalerweise reagiere ich auf Ameisenbisse kaum, aber manche Arten schaffen es problemlos, dutzende juckende Bisse zu hinterlassen – und dabei rede ich noch nicht einmal von der berüchtigten Bullet Ant.

Trotzdem lassen wir uns nicht entmutigen die schönsten und spannendsten Stellen der Welt zu erkunden und in die wunderbare Natur einzutauchen. Das ist es uns wert.

 

Reisen bildet, macht Spaß und hat vor allem viele humorvolle Seiten. Der digitalprintexpert ist auf Reisen und schreibt in lockerer Folge über Erlebnisse, Gesehenes und Gehörtes. Ein komplettes Verzeichnis aller bisher veröffentlichten Berichte findet sich hier.

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