Tauchen in Mexiko und Zentralamerika
Die Unterwasserwelt begeistert uns und für viele Jahre haben wir rund um die Welt Schnorchelreviere erkundet. Doch der Blick von unten kann auch sehr reizvoll sein. Gerade rechtzeitig für unsere lange Reise habe ich tauchen gelernt. In der deutsch geführten Tauchschule im Coral Garden Resort in Ägypten gab es eine solide Ausbildung unter anfängerfreundlichen Bedingungen.
Das war sehr hilfreich, da Tauchbasen in Lateinamerika nicht immer auf alle Details achtgeben. Hier ist sind ein paar Erfahrungen zum Tauchen in Mexiko und Zentralamerika und die Reviere, die ich besucht habe.

Cabo Pulmo
Das Tauchrevier von Cabo Pulmo am östlichen Ende der Baja California ist so unglaublich wie seine Geschichte. In den 80er Jahren war das Meer leergefischt und die lokalen Fischer waren verzweifelt – so verzweifelt, dass sie Marinebiologen gefragt haben, was sie tun sollten. Die Antwort war einfach: komplett aufhören zu fischen und das Meer wird sich regenerieren. Unglaublicherweise haben sich alle Fischer darangehalten und der Fischreichtum kehrte nach wenigen Jahren zurück. 1995 wurde das Gebiet auf Betreiben der Fischer zum Meeresnationalpark erklärt. Jetzt verdienen die ehemaligen Fischer am Tourismus und das auf ganz nachhaltige weise.
Die Unterwasserwelt ist auch ganz besonders. Es gibt dort das nördlichste Korallenriff, was jetzt mehr etwas für das Lexikon ist. Richtig spektakulär dagegen sind riesige Schwärme von Stachelmakrelen, sowie Haie, Schildkröten, Delfine, Rochen, Seelöwen und Wale. Man sieht allerdings nur die ersten 3 beim Tauschen, die anderen sieht man beim Schnorcheln oder vom Boot aus. Die Masse an Fischen ist wirklich beeindrucken. Hingegen ist im Dezember und Januar das Meer recht kalt und selbst 8mm Neopren sind kaum ausreichend. Ich erinnere mich an das Gespräch unter uns Tauchpartnern: „Sollen wir noch mal tauchen?“ „Es ist sooo kalt“ „Aber die vielen Fische hier!“ „Also los, dann nochmal rein“.

Cenoten in Yukatan
Der Untergrund in Yukatan besteht aus porösem Kalkstein und der versickernde Regen formt Höhlen und unterirdische Flüsse. Wenn das Dach einer Höhle einstürzt formt sich eine Cenote, und das reicht von einer kleinen Öffnung zur Oberfläche, bis hin zu einem freiliegenden open-air Pool. Man kann in den Cenoten schwimmen und manchmal auch tauchen. Das Wasser ist tief blau und kristallklar.
Tauchen in Cenoten kann etwas Besonderes sein. Die Cenote Casa ist offen und unterirdisch mit dem Meer verbunden. Deshalb gibt es auch reichlich Fische, die sonst in Cenoten eher selten sind. Das schwerere Meerwasser dringt auch am Boden in die Cenote ein und es bildet sich eine klare Grenze zwischen dem kalten Süßwasser oben und dem schwereren, aber warmen, Salzwasser unten. Die Grenzfläche (Halokline) wirkt wie ein Spiegel und beim durchtauchen entstehen Verwirbelungseffekte wie bei einer Fata Morgana. Schwer zu beschreiben aber beindruckend zu sehen. Auch unter überhängenden Felsen, durch Wurzeln und in Seitenhöhlen zu tauchen ist spannend.
Die Cenote Dos Ojos besteht aus zwei Pools die unterirdisch miteinander verbunden sind. Diese Passage kann man durchtauchen, was ein bisschen an der Grenze des Erlaubten für einen gewöhnlichen Taucher ist – denn man muss eigentlich immer noch Licht vom Eingang sehen können, sonst ist es technischen tauchen. Falls man sich beim ersten Tauchgang in Cenote Casa bewährt hat, geht es trotzdem auf die Tour durch die Finsternis. Beeindruckend, Stalaktiten und Stalagmiten unter Wasser zu sehen und das leichte blaue Leuchten, sobald man die Taschenlampen ausknippst. Nichts für Taucher mit Klaustrophobie.
Zwei Tauchgänge inklusive Eintritt und Snacks von Tulum aus kosten $150. Nicht ganz billig aber den Preis wert und der Tauchshop war auch toll.

Roatan
Eine der karibischen Inseln die zu Honduras gehören ist Roatan. Mit Direktverbindungen in die USA und nach Kanada ist die Insel touristisch gut erschlossen und eine der Hauptaktivitäten ist tauchen. Das Tauchrevier ist schön wenn auch nicht spektakulär, da die Korallen doch schon gelitten haben und es kaum ungewöhnliche Fische gibt. Aber die Gegend ist ein Meeresschutzgebiet und Fische sind zahlreich, es gibt jede Menge Tauchstellen um die Insel herum und das Wasser ist klar, ruhig und warm. Auf jeden Fall ist Tauchen in Roatan unschlagbar bequem und günstig. Unsere Cabana war hinten auf dem Grundstück, vorn an der Straße gibt es eine Frühstücksbude, daneben ein Tauchladen (unter gut einem Dutzend in West Bay). Jeden Tag gibt es drei Fahrten zu verschiedenen Stellen und man sagt kurz davor Bescheid ob man mitmöchte. Auf der anderen Straßenseite, direkt am Strand, liegt dann noch eine Bar mit bestem Blick auf den Sonnenuntergang. Und pro Tauchgang zahlt man schlappe $35!
Guanaja
Eine andere der honduranischen Karibikinseln ist Guanaja, auf der wir insgesamt 3 Monate verbracht haben. Die Insel ist schon speziell, aber das Meer ist logischerweise nicht sehr unterschiedlich zu Roatan. Aber da es auf Guanaja kaum Touristen gibt, gibt es auch keine festen Tauchläden. Man kann mit etwas Glück bei lokalen Anbietern etwas organisieren, aber das ist dann recht teuer ($150 für zwei Tauchgänge) und benötigt einige Organisationstätigkeiten und andere Personen, die ebenfalls tauchen wollen. Das Wasser ist klar, warm und hat reichlich Rifffische. Da hier immer noch Ammenhaie mit erlegten Rotfeuerfischen (verbotenerweise) angefüttert werden, kann man mit den Haien in direkter Tuchfühlung tauchen – sie folgen den Tauchern. Man sollte allerdings auf die Vollständigkeit von Händen und Armen achten – es sind schließlich immer noch wilde Tiere. Auch ein schönes Tauchrevier, aber Roatan ist so viel bequemer und billiger.
Bocas del Toro
Der Bocas del Toro Archipel ist wunderschön aber nicht unbedingt als Tauch- oder Schnorchelrevier bekannt. Da einige Flüsse hier ins Meer münden, ist das Wasser teilweise trübe, weshalb sich auch keine größeren Korallenriffe gebildet haben. Es gibt aber einige Tauchanbieter und wenn man schon in der Gegend ist, sind $95 für zwei Tauchgänge gut angelegt. Größere Fische sind rar, da kein Meeresschutzgebiet, und die Anzahl an Tauchstellen ist begrenzt. Spektakulär war allerdings der Tauchgang um einen versenkten Katamaran herum, innen hinein, sowie unten hindurch. Da kommt man auch den zwei Ammenhaien sehr nah, die unter dem Boot ihren Schlafplatz haben.
Isla Coiba
Das Meeresschutzgebiet um die Isla Coiba ist das bekannteste Tauchziel in Panama. Die Inseln sind unerschlossen und sind 1.5 Bootsfahrt von Santa Catalina entfernt. Besonders ist ihre Lage im Pazifik, da hier nährstoffreiches Tiefenwasser nach oben gedrückt wird. Dies führt zu einem sehr hohen Fischreichtum, inklusive von vielen Haien und Schildkröten.
Das Tauchen hat es allerdings in sich. Die Tiefenströmung kommt je nach Saison auf bis zu 10 Meter unter die Oberfläche. Man fühlt zuerst einen rapiden Fall der Wassertemperatur – es wird richtig unangenehm kalt, trotz 8mm Neopren. Dann wälzen sich bräunlich trübe Wassermassen wie eine schlammige Flutwelle einem entgegen und es wird höchste Zeit umzukehren oder man muss sich am Meeresgrund festkrallen, bis die Unterwasserwolke abzieht und Strömung abklingt. Im freien Wasser wäre man schon weit abgetrieben! Der Fischreichtum ist teilweise unglaublich und obwohl es nicht so sehr bunte Korallenfische sind, gibt es beindruckende Schwärme verschiedenster Fische. Riffhaie und Schildkröten sind garantiert – nur die erhofften 3m Bullenhaie waren nicht zu sehen.
Mit $190 für drei Tauchgänge (inklusive Meeresparkeintritt, Lunch und 1.5 Stunden Bootsfahrt) sind allerdings happig. Zudem muss man Cash bezahlen, sonst ist es noch teurer.
Playa Coco
Costa Rica ist mit einer wunderbaren Tierwelt gesegnet – über Wasser. Die Tauchreviere, zumindest die man einfach erreichen kann, sind nicht so berühmt. Aber Playa Coco bietet eine gute Gelegenheit doch mal zu tauchen. Das Revier ist ein bisschen wie Isla Coiba light, es liegt ja am selben Küstenabschnitt. Die Unterwasserströmungen haben sich schon verwirbelt, was für ein etwas trübes Wasser sorgt, bei nur mäßigen Strömungen. Die Fahrt ist dagegen kurz, es geht zu ein paar kleinen Inseln oder Felsen vor der Küste. Trotzdem ist der Fischreichtum groß, mit riesigen Schwärmen im vollen Jagdmodus. Zu sehen gibt es auch Riffhaie, Schildkröten, Rochen, Oktopusse, Lobster und Muränen. Für $116 für zwei Tauchgänge und einer sympathischen Tauchschule hat sich alles gelohnt. (https://en.summer-salt.com/)
Reviere in denen ich nicht getaucht habe
Es gibt keinen Mangel an Tauchrevieren in Mexiko und Zentralamerika und selbst in abgelegenen Bergseen werden Tauchgänge angeboten. Es macht allerdings nicht alles Sinn, denn ohne die Aussicht etwas zu sehen lohnt sich tauchen auch nicht und Aufwand und Kosten sind auch zu bedenken.
Eigentlich ist die Ostküste von Yukatan als Tauchrevier beliebt aber auf der Isla Mujeres war das Wetter zu schlecht und die Tauchanbieter nicht sehr hilfreich. Die Insel Cozumel haben wir insgesamt ausgelassen, weil zu touristisch. Die anderen Küstenbereiche Mexikos bieten sich nicht so sehr zum Tauchen an.
Belize hat ebenfalls bekannte Tauchgebiete, nur liegen diese weit vom Festland entfernt. Das bedeutet eine lange Fahrt und hohe Preise – das bekannte Blue Hole sind 2 bis 3 Stunden Bootsfahrt pro Strecke! Oder man muss auf einer der vorgelagerten Inseln übernachten, was ebenfalls teuer und dazu unflexibel ist. Wir haben lieber das Land erkundet und sind stattdessen geschnorchelt.

Taucht das was?
Lange haben wir uns auf Schnorcheln konzentriert und können deshalb auch vergleichen, was beides bietet. Insgesamt sieht man beim Schnorcheln eher mehr Fische, da man größere Entfernungen zurücklegen kann, länger unterwegs sein kann und Tieren besser folgen kann. Da sich das meiste Unterwasserleben in nur wenigen Metern Tiefe abspielt, sieht man Fische und Korallen oft gut von oben. Manche Arten halten sich auch nur direkt unter der Wasseroberfläche auf. Auch sind manche Schnorchelreviere schlicht zu flach um zu tauchen. Zudem ist schnorcheln billiger und einfacher – man geht einfach mit einer Maske ins Wasser.
Beim Tauchen sieht man dagegen auch Fische in Höhlen, an Riffkanten oder solche, die tiefer schwimmen. Einigen Meeresbewohnern kommt man dabei auch sehr nahe. Auch sind manche Reviere wegen Wellengang oder Strömung besser für das Tauchen geeignet.
Das einzigartige beim Tauchen ist allerdings das geruhsame schweben im Wasser. Hauptsächlich mit dem Atem reguliert man die Tiefe und versucht in einem entspannten, gleichmäßigen Atemrhythmus zu bleiben. Es ist faszinierend direkt zu spüren, wie Atmen den Körper und die Bewegung beeinflusst und wer Atemübungen macht ist hier eindeutig im Vorteil. Das hat auch etwas meditatives und schwereloses und macht für mich einen großen Reiz des Tauchens aus.
Reisen bildet, macht Spaß und hat vor allem viele humorvolle Seiten. Der digitalprintexpert ist auf Reisen und schreibt in lockerer Folge über Erlebnisse, Gesehenes und Gehörtes. Ein komplettes Verzeichnis aller bisher veröffentlichten Berichte findet sich hier.
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