Beobachtungen und Bemerkungen – Teil 3

Manchmal sieht oder bemerkt man Kleinigkeiten, die einfach interessant, bemerkenswert oder lustig sind – und deshalb wert sind aufgeschrieben zu werden. Hier ist aus der kleinen Sammlung der 3. Teil:

Ein wichtiges Wort im lateinamerikanischen Spanisch ist „ahorita“. Es ist erstaunlich vielseitig und kann „jetzt“, „gleich“, „demnächst“ oder auch „irgendwann vielleicht“ bedeuten.

Kurz vor Weihnachten wollen viele mit dem Bus von San José zur Küste – besonders Jüngere. Entsprechend sind wir mal wieder die Ältesten im Bus. Drei Fahrgäste haben keinen Sitzplatz für die dreieinhalb Stunden Fahrt bekommen. Zwei davon können immerhin auf den Ausstiegsstufen sitzen. Einer steht seit über zwei Stunden im Gang. 
Wir finden das etwas gemein, aber alle anderen Fahrgäste haben sich geübt und stoisch hinter Handy und Earbuds verschanzt und ignorieren das Problem nach Kräften. Tina fasst sich schließlich ein Herz und bietet dem Stehenden an, sich eine Weile zu setzen, was er dankbar annimmt. Danach stehe ich für ein Stück auf. Schon merkwürdig, dass ausgerechnet die Ältesten im Bus aufstehen müssen, damit jemand wenigstens mal eine halbe Stunde sitzen kann.

Die Interamericana ist Teil der legendären Panamericana, genauer gesagt der Abschnitt, der die Länder Mittelamerikas und Mexiko miteinander verbindet. Eigentlich also eine der wichtigsten Verkehrsadern der Region. Stellenweise sieht sie allerdings eher aus wie eine Landstraße irgendwo im hinteren Brandenburg: kaum zweispurig, Schlaglöcher und Gebüsch am Rand. Nur sind hier deutlich mehr Pferdefuhrwerken unterwegs, außer natürlich am Herrentag in Brandenburg.

Busfahrer zu sein ist in Lateinamerika ein anspruchsvoller Teilzeitjob. Der Fahrer muss Fahrkarten verkaufen, wechseln und gleichzeitig Buchführung betreiben – mit verschiedenen Kassen je nachdem, ob die Fahrgäste auf regulären Sitzen, auf Plastikeimern im Gang oder stehend im Eingangsbereich transportiert werden. Zwischendurch nimmt er als Postbote Briefe und Päckchen entgegen und liefert sie unterwegs wieder aus. Von den fliegenden Händlern, die an Haltestellen zusteigen, wird der übliche Obolus eingesammelt –in Form von Snacks oder Getränken –, die später wiederum an Bekannte weiterverteilt werden. Das Mittagessen muss organisiert und an irgendeiner Kreuzung entgegengenommen werden. Daneben werden wichtige Telefonate geführt und als DJ muss natürlich auch noch die passende Musik für die Fahrt ausgewählt werden. Da bleibt verständlicherweise nur noch wenig Zeit, sich aufs eigentliche Busfahren zu konzentrieren.

 

Kleine Länderkunde:
Die Costa-Ricaner sind superfreundlich und sprechen gerne mit Touristen. Sie schwärmen von ihrem Land, der Natur und natürlich ihrem Lebensgefühl: Pura Vida.
Die Nicaraguaner sind ebenfalls superfreundlich und sprechen gerne mit Touristen. Sie schwärmen von ihrem Land, der Natur und davon, wie schnöselig die Costa-Ricaner angeblich sind.
Die Panamaer hingegen sind eher maulfaul. Spricht man sie auf Spanisch an, antworten sie aber meist freundlich. Natürlich ist das alles stark vereinfacht – Panama ist ein tolles Land. Nur zum Spanischlernen würden wir vermutlich eher andere Länder empfehlen.

 

Reisen bildet, macht Spaß und hat vor allem viele humorvolle Seiten. Der digitalprintexpert ist auf Reisen und schreibt in lockerer Folge über Erlebnisse, Gesehenes und Gehörtes. Ein komplettes Verzeichnis aller bisher veröffentlichten Berichte findet sich hier.

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