Kartenspiele und Internet

Heutzutage geht selbst beim Rucksackreisen kaum noch etwas ohne Internet. Und weil WLAN ungefähr so zuverlässig ist wie ein Busfahrplan im Dschungel, braucht man mobiles Internet. Leider ist Lateinamerika nicht die EU – für jedes Land benötigt man eine eigene SIM-Karte. Das heißt: sieben Länder, sieben SIM-Karten.

Eine Auswahl an Telefonkarten

Eine SIM-Karte zu bekommen ist grundsätzlich einfach, allerdings mit Unterschieden. In manchen Ländern wie Costa Rica, Nicaragua oder Belize darf man sich erst einmal brav mit Reisepass in einer Filiale registrieren, als würde man ein Bankkonto eröffnen. Anderswo reicht ein kleiner Laden, der neben Chips und Cola auch SIM-Karten verkauft. In El Salvador gab es die SIM-Karte sogar in einer klapprigen Bude am Straßenrand – natürlich ohne Pass. Der Aufwand scheint dabei recht gut damit zu korrelieren, wie (neo)liberal oder sozial(istisch) die Volkswirtschaften organisiert sind.

Die Kosten sind moderat: Eine SIM-Karte kostet meist ein bis zwei Dollar, eine Woche Telefonie und Daten drei bis fünf Dollar. Nur Tigo in Panama ist etwas teurer und fällt mit wechselnden Preisen auf. Praktisch ist, dass man bei Anbietern wie Claro sein Guthaben manchmal ins Nachbarland mitnehmen kann. Unpraktisch ist, dass man die alte Karte dort nicht mehr aufladen kann. Am Ende muss man also doch wieder eine neue Karte kaufen und bekommt eine weitere Telefonnummer, die man auf ein kleines Zettelchen schreibt und hinter die Handyhülle klemmt.

Das Datenpaket ist dabei entscheidend. Fast die gesamte Kommunikation läuft über WhatsApp; klassische Anrufe sind eher nebensächlich. Man kann zwar auch über WhatsApp telefonieren, aber vor allem wird geschrieben – und, besonders wichtig, es werden Sprachnachrichten verschickt. Schließlich ist nicht jeder gleichermaßen geübt im Lesen und Schreiben. Freunde des Datenschutzes müssen hier stark sein: Sicherere Chatapps interessieren hier kaum jemanden. Selbst öffentliche Institutionen, wie Behörden, Nationalparks oder Busunternehmen, haben oft keine eigene Webseite und veröffentlichen ihre Informationen ausschließlich auf Facebook.

Eigentlich hat hier auch jeder ein Handy und nutzt es, oft lautstark, bei jeder Gelegenheit. Selbst Einkäufe lassen sich über das Telefon und ein lokales Bankkonto bezahlen, was für Reisende allerdings eher Theorie bleibt. Trotzdem ist selbst für Handyskeptiker wie uns das Mobiltelefon zu einem treuen Begleiter geworden – ob wir wollten oder nicht.

Mobiltelefon regiert

 

Reisen bildet, macht Spaß und hat vor allem viele humorvolle Seiten. Der digitalprintexpert ist auf Reisen und schreibt in lockerer Folge über Erlebnisse, Gesehenes und Gehörtes. Ein komplettes Verzeichnis aller bisher veröffentlichten Berichte findet sich hier.

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